»Es ist okay, nicht immer okay zu sein. Du musst da nicht allein durch.«
Hast du das in diesem Monat schonmal irgendwo gelesen? Dann folgst du uns vielleicht auf Instagram, wo wir dieses Statement Anfang des Monats zum Start der European Mental Health Week veröffentlicht haben.
Denn: Der Monat Mai steht international im Zeichen psychischer Gesundheit – und das bereits seit über sieben Jahrzehnten. Bereits 1949 hat die Organisation Mental Health America (zum Zeitpunkt der Gründung noch bekannt als National Association for Mental Health) den Mental Health Awareness Month ins Leben gerufen.
Angelehnt an den US-amerikanischen Mental Health Awareness Month etablierte sich in Europa in den späten 2010er Jahren die European Mental Health Week, die von der Organisation Mental Health Europe koordiniert wird. In diesem Mai fanden unter dem Motto »Stronger Together: Psychische Gesundheit in einem sich wandelnden Europa priorisieren« Veranstaltungen und Aktionen in verschiedenen europäischen Städten statt.
Warum psychische Erkrankungen politisch sind
Dass es unserer Psyche gut geht, hängt nicht nur von einer flächendeckenden therapeutischen Versorgung ab; psychische Gesundheit hängt ebenso von sozialer Sicherheit und wirtschaftlicher Stabilität ab. In den letzten Jahrzehnten vermehren sich die Krisen, denen Menschen auf der ganzen Welt ausgesetzt sind: Die COVID-19-Pandemie, der Ukraine-Krieg, die Klimakrise und der Rechtsruck, um nur einige Beispiele anzuführen, bilden ein Konglomerat an Krisen- und Konfliktherden, die sich auf die psychische Gesundheit vieler, die direkt oder indirekt mit ihnen konfrontiert sind, auswirken. Zukunftsängste sind längst nicht mehr individueller Natur und kreisen um Sorgen um die eigene Gesundheit, das Wohlergehen von Familie und Freund*Innen, berufliche und romantische Erfüllung; befürchtet wird von vielen Menschen berechtigterweise, ob die sich ankündigenden Krisen, die noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht haben, das von relativer ökonomischer und friedenspolitischer Stabilität geprägte Leben, das wir in der Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs führen, beenden wird.
Die von 2020 bis 2024 durchgeführte COPSY-Studie (kurz für: COrona und PSYche), in der die Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen untersucht wurden, weist auf eine erhebliche Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit hin. Zwar lasse sich in den Folgejahren der Pandemie eine Verbesserung feststellen, auf ihren prä-pandemischen Wert senkte die Zahl der erkrankten Kinder und Jugendlichen sich jedoch bis zum Ende des Untersuchungszeitraums nicht. Gleichzeitig zeige sich, dass »Sorgen vor Kriegen, Wirtschaftskrisen und der Klimakrise zugenommen«1 haben.
Und wozu ein Mental Health Awareness Month?
Ein Monat oder eine Woche, die im Zeichen der psychischen Gesundheit steht, kann diese Entwicklungen nicht eindämmen. Aktionen wie die European Mental Health Week oder ihre große Schwester, der Mental Health Awareness Month, können jedoch Sichtbarkeit für psychische Störungen schaffen und dazu beitragen, über die aufzuklären und sie zu entstigmatisieren. Psychische Erkrankungen sind schließlich längst ein Störungsbild, das zur »Volkskrankheit« mutiert – das jedenfalls schreibt der Soziologe Hartmut Rosa, wenn er insbesondere Stress- und Depressionserkrankungen als sich am rasantesten verbreitenden Erkrankungen bezeichnet.2 Umso wichtiger ist es, dass diejenigen, die von einer psychischen Krankheit betroffen sind oder Menschen in ihrem Umfeld haben, die psychisch krank sind, mit den Folgen nicht allein bleiben.
Wie der BBuD e.V. bei psychischen Krankheiten hilft
Der BBuD e.V. hat im Mai keine eigenen Aktionen geplant. Dennoch setzen wir uns das ganze Jahr über dafür ein, Sichtbarkeit zu schaffen und Stigmatisierung abzubauen. Gleichzeitig fördern wir Begegnung, Austausch und gegenseitiges Verständnis – im Monat Mai genauso wie an allen anderen Tagen des Jahres!
Kennst du schon unsere Angebote?
- Im Anderen Burnout Café (ABC) schaffen wir einen Ort der Begegnung und des Austauschs für Betroffene von Depression uns Burnout. Schau doch mal vorbei, vielleicht findest du uns auch in deiner Stadt!
- Und wenn die Welt gerade zu schwer auf deinen Schultern liegt und du einen kleinen Lichtblick brauchst: Ruf unser Lachtelefon an!
- Und wenn du dich einsam fühlst oder dir echte Begegnungen fehlen, musst du damit nicht allein bleiben: Dafür haben wir die Guided Mystery Cafés ins Leben gerufen.
- Anne Kaman u. a.: „Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Zeiten globaler Krisen: Ergebnisse der COPSY-Längsschnittstudie von 2020 bis 2024“, in: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz68 (2025), H. 6, S. 670–680, hier: S. 672. DOI: 10.1007/s00103-025-04045-1. ↩︎
- Rosa, Hartmut: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehungen. Berlin: Suhrkamp 2016, S. 179. ↩︎


