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Neuss, 9. April 2026
Sehr geehrte Damen und Herren.

Gerne möchten wir Sie mit dieser Pressemitteilung über unsere laufende Arbeit zur Entstigmatisierung von Menschen mit Burnout und Depression informieren:

Warten auf Hilfe und jetzt wird weiter gekürzt – BBuD warnt vor Folgen der Honorarkürzungen psychotherapeutischer Leistungen
Die geplanten Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen stoßen beim Bundesverband Burnout und Depression e. V. (BBuD) auf deutliche Kritik. Der Verband sieht die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland zunehmend unter Druck und fürchtet spürbare Verschlechterungen für Betroffene und ihre Angehörigen.
Versorgungslage bereits heute angespannt
Rund 17,8 Millionen Menschen in Deutschland erfüllen im Jahresverlauf die Kriterien einer psychischen Erkrankung – mehr als jeder vierte Erwachsene (DGPPN-Basisdaten, 2025). Zugleich sind Therapieplätze knapp und Wartezeiten lang: Patientinnen und Patienten warten im Schnitt durchschnittlich rund 20 Wochen auf einen Therapieplatz (BPtK, 2023). Der BBuD fürchtet, dass für Betroffene, die schon heute oft monatelang ausharren müssen, bis sie ambulante Unterstützung erhalten, die Versorgungslücke größer wird.
Aktuelle Entscheidung und Kritik
Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März 2026 beschlossen, die Vergütung für ambulante Psychotherapie pauschal um 4,5 % ab 1. April 2026 zu senken. KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen kündigte daraufhin Klage an und nannte den Beschluss eine „fatale Entscheidung, [die] psychisch kranke Menschen und die Psychotherapeuten massiv benachteiligt“. Er betonte, dass die wirtschaftliche Situation vieler Praxen durch steigende Kosten ohnehin unter Druck stehe. Für gesetzlich Versicherte hat die Kürzung unmittelbare Folgen: Da die Vergütung für privat Versicherte und Selbstzahlende deutlich höher ist, besteht die Annahme, dass Psychotherapiepraxen vermehrt Privatpatientinnen und Privatpatienten bevorzugen, was die bestehenden Engpässe verschärft.
Breiter Widerstand und Proteste gegen Kürzung
Angesichts der Kürzungen und der drohenden Beitragserhöhungen in den Krankenkassen 2026 appelliert der BBuD, psychische Gesundheit als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen: Die Versorgung aller Betroffenen muss sichergestellt werden. Psychische Erkrankung darf nicht zur sozialen Zäsur führen. Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) begrüßt ausdrücklich die Klage der KBV und mobilisiert ihre Mitglieder zu bundesweiten Protesten. Sie verweist auf eine gemeinsame Petition (Change.org) „Monatelange Wartezeiten – und jetzt werden psychotherapeutische Leistungen gekürzt?“, die bereits über 400.000 Menschen unterzeichnet haben. Auch die Psychotherapeutenkammern kritisieren die Maßnahme, da ambulante Psychotherapie rund ein Prozent der Gesamtkosten der Gesetzlichen Krankenversicherung ausmacht, aber einen hohen gesellschaftlichen Nutzen hat.
Selbsthilfegruppen als wichtige Ergänzung
Selbsthilfe ist für viele Betroffene existenziell und wird durch den Honorarbeschluss noch wichtiger. Statistiken zeigen, dass bundesweit weniger als 1 % der Versicherten innerhalb eines Jahres eine Psychotherapie beginnt – die meisten müssen sich anderweitig behelfen. Der BBuD bietet themenzentrierte Selbsthilfegruppen für Menschen mit Depressionen und Burnout an, in denen sich Betroffene und Angehörige austauschen können. Selbsthilfegruppen können eine Lücke schließen, wenn ärztliche Angebote fehlen: Sie ersetzen zwar keine Therapie, entlasten aber in akuten Krisen und vermitteln Orientierung. Vor diesem Hintergrund betont der BBuD, dass die Arbeit der Selbsthilfe in der aktuellen Lage besonders nötig ist.
Gesundheit – auch die seelische – darf kein Luxusgut sein. Der Zugang zu wirksamer Therapie darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Stattdessen müssen mehr Therapieplätze geschaffen und niedrigschwellige Angebote weiter ausgebaut werden. Informationen zu den Selbsthilfegruppen ABC „Anderes Burnout Café“ des BBuD sowie Hinweise zur Teilnahme finden Interessierte auf der Webseite https://anderes-burnout-cafe.de/

Quellen: DGPPN, Basisdaten Psychische Erkrankungen, 02/2025. – BPtK, Pressemitteilung, 27.06.2023. – KBV, Pressemitteilungen 12.03. u. 19.03.2026. – DGVT-BV, Stellungnahme 19.03.2026. – Change.org-Petition (J. A. Jung), Stand 03/2026. – GKV-Spitzenverband, Pressemitteilung 12.03.2026.

Hintergrund: In Deutschland haben bereits drei Prozent der Bevölkerung zumindest einmal im Leben die Diagnose eines sogenannten „Burnouts“ erhalten. Dieses Syndrom bezeichnet einen Erschöpfungszustand, welcher sich in verschiedenen Phasen von der Überlastung und Überforderung bis zum mentalen Zusammenbruch äußern kann, vor allem Berufsleben und soziale Kontakte betrifft und insbesondere psychosomatische Beschwerden auslöst. Hingegen erlitten mindestens 9,5 Millionen Deutsche bereits eine ernst zu nehmende depressive Episode, die als schwere psychiatrische Erkrankung anzusehen ist und sich in Perspektivlosigkeit, Freudlosigkeit, Traurigkeit über beträchtliche Körpererscheinungen und einem massiven Rückzug aus dem persönlichen Umfeld ausdrückt. Beide Krankheitsbilder sind allerdings der Psychotherapie und medikamentösen Behandlungsansätzen zugänglich. Daneben helfen niederschwellige Maßnahmen wie Entspannungstraining, Lichttherapie, Selbsthilfemaßnahmen, Sozialberatung oder Coaching.
Der Bundesverband Burnout und Depression e. V. ist die bundesweite Selbsthilfeorganisation für Menschen mit stressinduzierten Problembildern wie Burnout oder Depression. Seine Mitglieder sind eigens betroffen und wollen ermutigen, selbst wieder aktiv zu werden und für sich und andere Erkrankte Verantwortung zu übernehmen.
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